Schlamm & Metal: Caddü auf dem größten Heavy Metal Festival der Welt! - Mein erstes Mal W:O:A

Das war der Titel zu dem Thema in meinem Endzeit Fotomagazin "FADE", welches ich als mein Bachelorprojekt angefertigt habe. (: Dazu kommt auf jeden Fall auch noch ein Post! Einige waren bei meinem ersten Live-Video auf Instagram dabei, in dem ich das Magazin ein wenig vorgestellt habe. :D Ich danke euch für eure liebe Kommentare und vor allem die Glückwünsche und jedes Lob! (: Ich habe mich sehr gefreut und hätte ich mich selbst gefilmt hättet ihr gesehen, wie rot ich teilweise war vor lauter Glück. :D

Nun also mein Bericht zu meinem ersten Festival; dem größten Heavy Metal Festival der Welt.


- Von Metall und Metal -

Schlamm, Metall, Rost, Nägel, Schrauben, Gummireifen, nackte Haut, Fell, Knochen und Federn, Rum, Bier und Motorenqualm, blutige Lippen, wippende Hüften, bunte Lichterketten, Flammenwerfer, Explosionen und das Ende der Welt, in einer einzigartigen, orangeroten Symphonie vereint, sieben Tage lang, Stunde um Stunde, Herzschlag um Herzschlag, Beat um Beat.

Als ich mit meinem Artist-Bändchen und den Wasteland Warriors – einer bekannten postapokalyptischen Showgruppe – an einem Montag im August 2016 das Festivalgelände betrete, kann ich nicht fassen, dass ich wirklich dort angekommen bin. Überall um uns herum wuseln Menschen; sind beschäftigt damit Dinge hin und her zu tragen, Stäbe in den Boden zu treiben, kleine Gabelstapler zu fahren oder stehen in Grüppchen herum und witzeln miteinander. Mit und mit kommen immer mehr unserer Gruppe auf dem Gelände an, welches noch ganz und gar nicht nach dem größten Heavy-Metal-Festival der Welt aussieht. Dann werden auch schon ein, drei Bier gezischt, dicke Handschuhe übergestreift und die Aufbauarbeiten können beginnen: Metallabsperrungen,  große Flugzeugtanks die wie riesige grüne Bomben anmuten, Reifen, Lichtschläuche, Holzbretter, Gasflaschen, die schweren Show-Wagen, Show-Waffen, Stacheldraht, rostige Metalltonnen und vieles mehr werden um den umgebauten Verkaufscontainer der Gruppe platziert, der unter anderen Umständen vielleicht ein Fastfood Stand hätte werden können. Zwei Tage lang wird gewerkelt und aufgebaut; die Sonne brennt uns dabei auf den Pelz und ich muss mich für einige Zeit in den Schatten verziehen, weil ich diese Temperaturen in Deutschland schon nicht mehr gewohnt bin.
Am Ende steht alles, sitzt alles, passt alles. Am Mittwoch ist Soundcheck, danach strömen zehntausende Besucher durch die Tore, um sich das Spektakel anzusehen. Unser Bereich ist die „Wasteland Area“ im Artist Village: Ein aus Schiffscontainern und Holzbrettern, Drähten und Nägeln, Metalltonnen und Plastikrohren zusammengehaltenes Konstrukt, in das man im unteren Stockwerk eine Bar und im Oberen eine funktionsfähige Bühne eingebaut hat, ein abgesperrter Bereich, auf denen einige der Wasteland Warriors auf Gummireifen und Flugzeugtanks entspannen, der runde Käfig in dem die Showkämpfe stattfinden, ein großer, roter Schiffscontainer, auf dem ein riesiger Metallstier kampfbereit hinunter in die Menge schaut und der auf heruntergekommen getrimmte Verkaufsstand der Wasteland Warriors bilden das Herz des Geschehens. Ich bin angekommen, geschafft und sehr, sehr glücklich.
Als die Sonne an diesem Tag zum letzten Mal zwischen den Bäumen untergeht, kann ich den nächsten Tag nicht abwarten.







 - Soundcheck statt Handywecker -

Die erste Zeit bin ich ziemlich aufgeregt und überfordert. So viele neue Gesichter, die Menschenmassen, die Geräusche, Gerüche und man muss aufpassen wo man hin tritt, denn an mancher Ecke in der Area kann man sich hinter den Kulissen böse verletzen: Der Regen hat alles aufgeweicht und man muss aufpassen nicht im Matsch auszurutschen.
Am dritten Tag ist es schon vollkommen normal gewordenden sich nach dem Aufstehen und Zähneputzen eine Hand voll Dreck ins Gesicht zu schmieren und Kunstblut auf den Ellenbögen zu verteilen. Wenn man bei der Lautstärke die nachts auf den umliegenden Zeltplätzen herrscht wider Erwarten doch ein Auge zugetan hat, wird man spätestens beim Soundcheck um halb 8 Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen.
„Guten Morgen, liebe Wackener. Es ist ein wundervoller, verregneter morgen und wir wünschen euch einen schönen Tag!“
Einige haben sich mittlerweile für ein anderes Kostüm für den Tag entschieden und ich hätte ein paar der Leute nicht wiedererkannt.
Mit in Handarbeit und viel Liebe zum Detail gefertigten Kostümen, schmutzverkrusteten Gesichtern, passenden Farbklecksen hier und da, lässig herunterbaumelnden Showwaffen, wie Äxten aus großen Zahnrädern oder Sägeblättern, umgebauten Maschinengewehren und kunstvoll hergerichteten Baseballschlägern schlüpfen alle nacheinander in die Rollen von Menschen, die in einer Welt leben, in der die Zeit stehen geblieben ist – und man ist mitten drin. Wenn man sich fallen lässt saugt das Thema einen komplett ein und in so mancher Sekunde verliere ich den Bezug zur Realität. Einmal kommt ein Wacken-Besucher an den Verkaufsstand und ich muss kurz stutzen, als er ein Smartphone aus der Tasche zieht. Für den Bruchteil einer Sekunde, aber sie war da und ich war zutiefst überrascht und belustigt von meiner eigenen Reaktion. Das muss nach dem vierten Tag gewesen sein.


- Wie viel kcal hat das Wasteland? -

Selbstverständlich hatten wir uns eine Woche vorher mit Dosenravioli, Toastbrot, Instant-Nudelsuppen und Campingzubehör eingedeckt. Wie schon gesagt: Man lebt die Apokalypse!
Ich bin überrascht zu hören, dass es auch einen Catering Service gibt. Für Einige der Haken: Vegane Kost.
Da ich nicht lange fackel lade ich mir meinen Teller voll und bin  glücklich über eine warme Mahlzeit, die ich nicht in der Küchentheke im Verkaufsstand auf unserem Gaskocher zubereiten musste...
Für alle anderen gibt es allerlei Köstlichkeiten im Umkreis und später habe ich das Gefühl in den 7 Tagen einen Wechsel aus eingebildeter Hungersnot und Fresskoma durchlebt zu haben.

- Bitte nicht füttern! -

Es ist Mittagszeit und ich kenne das Prozedere eines Showkampfes mittlerweile. Sobald sich die teils verrosteten und scharfkantigen Showfahrzeuge in Bewegung gesetzt haben, beladen mit leicht bekleideten, erhaben in die Menge blickenden Frauen und rechts und links begleitet von mürrisch aussehenden Muskelpaketen und anheizenden Pfiffen und Rufen der Menge, die immer wieder auseinander getrieben werden muss, damit die Fahrzeuge eine Chance haben durchzukommen, sammelt sich eine ganze Meute Schaulustiger um den Käfig, um sich das Spektakel aus der Nähe anzusehen. Immer wieder stimmen einige in den Singsang ein und Jemand muss mir erst erklären, dass diese Szene aus dem Film Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel bekannt ist:
Nach einer kurzen Vorankündigung der Kämpfer durch einen großen, langhaarigen Norweger auf dessen mit Fetzen behangener Brust ein großer Tierschädel hängt, gehen die beiden Auserwählten, begleitet vom Gekreische und Gejohle der Menge und kriegstrommelartigem Gehämmer der umstehenden Warriors gekonnt aufeinander los.

Langsam werden meine Arme und Beine schwer. Das frühe Aufstehen und späte Schlafengehen fordern seinen Tribut ein.
Ein paar Mal muss auch ich mich hinsetzen; den ganzen Tag renne ich zwischen dem Van und dem Verkaufscontainer hin und her, um fehlende Wahre zu holen. Dabei muss ich aufpassen, niemanden umzurennen oder in den großen Schlammpfützen, die sich mittlerweile in den Gängen hinter dem Camp gebildet haben auszurutschen...
Aber die Nacht ist es wert. Jeden Tag freue ich mich aufs Neue darauf; auf die untergehende Sonne, die alles in ein gold-rostiges Licht taucht. Auf die Farben am Himmel. Auf das Feuer...




- Die Nacht gehört dem Wahnsinn -

Sobald die Sonne untergegangen ist verwandelt sich die Area in ein Meer aus Flammen, Licht und Schatten, Explosionen, Hitze und Rauch.
In einem Käfig aus Lichtschläuchen und Metallstangen tanzen leicht bekleidete Amazonen zu den harten Klängen der Musik aus den riesigen Lautsprechern oder der, die von der Bühne aus herüber weht. Es dröhnt und hämmert, Gestalten kreisen um einen herum deren Umrisse im tanzenden Licht der Flammen noch skurriler wirken.

In regelmäßigen Abständen rauscht es ziemlich laut und durch die Nasenlöcher des gigantischen Metallstieres, der auf dem roten Schiffscontainer tront, wird schubweise entflammtes Gas gejagt und heizt einem für einen kurzen aber intensiven Moment das Gesicht und die Oberarme ein, bevor es erlischt und das Gebilde wenige Augenblicke später erneut Feuer ausatmet.



Ein großer Mann mit Kamera und Festival-Regencape wirft einen Obulus in einen Metallkasten, der am Zaun vor dem Käfig hängt. Zum Dank haucht ihm das darin tanzende Geschöpf einen Handkuss zu. Er knipst noch ein Foto, dann verschwindet er in der faszinierten Menge, die beim nächsten feurigen Ausatmen des Stiers kurz zusammenzuckt.


Mad Max  -  Jenseits der Donnerkuppel / fast 24 Stunden, über die gesamte Festivalzeit hinweg. :D Ich kann mitsprechen.



- Zeit zu gehen! -

Nachdem der letzte Festivalgast das Gelände verlassen hat, wird alles so gut es geht in dem Schiffcontainer verstaut, einiges in Autos gestopft und es bleiben auch Sachen zurück, die von ihren Besitzern erst einige Tage später abgeholt werden. Wehmütig sehe ich zu wie meine neuen Bekanntschaften ihre Sachen zusammenpacken und davonfahren, nicht wissend wann ich sie wieder sehen würde.
Der große Stier steht regungslos da und trotz des knöchelhohen Matsches überall sieht es hier wieder aus wie am Anfang: Eine große zerzauste Kuhwiese mitten in einem kleinen Käffchen in Deutschland.

Es ist eine großartige Zeit gewesen. (: Ich hatte lange Zeit am „After-Wacken-Blues“ zu knabbern, von dem mir einige anfangs berichtet hatten. :D Eine Woche lang hatte ich mit Fremden in unserem Camp zusammen gelebt und es kommt mir noch heute vor wie eine halbe Ewigkeit. Anfangs hatte ich befürchtet ich würde keine drei Tage durchhalten. Die morgendlichen Soundchecks, die Ackerei tagsüber, das späte Zubettgehen und der spärlich abklingende Geräuschpegel nachts hatten mich einige Jahre meines Lebens gekostet. Schlaf war ein absolut rares Ding gewesen und ich hatte das Gefühl, ich müsse erst einmal eine Woche durch schlafen um das wieder aufzuholen.
Dennoch würde ich gerne wieder zurück und ich kann den Sommer 2017 kaum abwarten...

Kommentare :

  1. Ich finde diesen Beitrag echt gut geschrieben und sehr informativ. Es ist dir richtig gut gelungen! Die Bilder sind, wie immer, der Wahnsinn. Ich freue mich auf weitere Beiträge! :')

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    1. Ich danke dir! ^___^
      Werde mein Bestes geben. <3

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