Alle Asylanten sind Vergewaltiger und Diebe und alle Deutschen sind dreckige Nazis

Verallgemeinerung. Eine Sache, die mich immer wieder zur Weißglut treibt. Egal bei was.
Alle Amerikaner sind dumme Waffenfanatiker. Alle Inder sind faul und stinken. Die Schwarzen sind heimtückisch. Der Türke ist ein hinterlistiger Mensch. In der Natur des Deutschen liegt die Rassenselektion.

Bullshit.

Alles, was nicht unseren Standarts entspricht und alles, was nicht so ist, wie wir es von kleinauf kennen ist im Zweifelsfall schlecht und bösartig. Das klingt nach einem Moralmärchen aus dem Mittelalter. Schade nur, dass man immer wieder aufs Neue feststellen muss, dass die Menschheit sich immer wieder selbst geistig in diese Zeit zurückwirft. Am Ende ist sich doch selbst jeder der Nächste.

Als tolles Beispiel fallen mir die Anschläge von heute morgen in Brüssel ein. Die Menschen fragen nicht, wie es den Verletzten geht. Es wird sofort nach dem Täter gefragt. Eine halbe Stunde nach dem angeblichen Anschlag soll es schon geheißen haben, die Täter haben arabische Parolen gebrüllt und seien Asylanten. Berichtet ein angeblicher Augenzeuge.
Da frage ich mich: Wer rennt, eine halbe Stunde nach solch einer Tragödie zu den Leuten hin und quetscht sie nach den Tätern aus?! Und wie soll man so schnell feststellen, dass es sich dabei um Asylanten gehandelt hat?! Die Rede sei von 10 Toten und 30 Verletzten. Eine viertel Stunde später heißt es "14 Tote und 100 Verletzte!". Danach einigt man sich auf eine Zahl von 10 zu 70. Und andauernd taucht das Wort "Asylant" auf.
Den Medien glaube ich schon lange kein einziges Wort mehr. Jedenfalls beschränke ich mich da auf spezielle Internetseiten und Berichterstatter im Fernsehen. Wir wissen schon längst, dass alles so herrlich zusammengeschnitten wird, dass wir es nicht mehr kauen sondern einfach nur runterschlucken brauchen. Und wozu? Wahrscheinlich bloß für die Einschaltquoten. Oder steckt da mehr dahinter?
  Ich war nie ein Mensch, der die Glaubwürdigkeit der Medien angezweifelt hat. Ich habe mich sogar des Öfteren manipulieren und mir eine Meinung einreden lassen, die ich gar nicht vertrat. Das passiert schneller, als man denkt und ehe man sich versieht steht man auf einem Berg aus Leichen, mit erhobener Faust und einer willkürlich ausgewählten Flagge im Hosenbund.
Die, die behaupteten, die Medien manipulierten uns, wollten uns Meinungen eintrichtern oder gar wie eine Schafsherde in eine bestimmte Richtung leiten habe ich ausgelacht und müde mit dem Kopf geschüttelt. Punks, dachte ich. Linksextreme Idioten. Verschwörungsspinner.
Aber ich bin an einen Punkt in meinem Leben gekommen, an dem es mich aus der Bahn wirft, was da mit uns passiert, wenn wir den Fernseher einschalten. Es ist überwältigend, wie viele Schafe es gibt. Man muss bloß einmal nach solch einer Meldung das Facebook einschalten und die Wut über solch ein Verbrechen verbreitet sich wie ein Lauffeuer.
"Wach endlich auf deutschland!!!!! es wird kein ende nehmen solange wir die asylanten reinlassen!"
"Ich kene diese religion sie heißt islam!!" "Würde man alle die aus Syrien hierrein kommen direkt ausrotten dann hätten wir ein Problem weniger........." "Das ist einfach erschreckend!! :( Ich verstehe einfach nicht wieso... wir haben sie hier aufgenommen und nun....??? Da tut es mir Leid dass ich anfangs mich für die flüchtlinge so eingesetzt habe!"

Selbst ein Vollidiot müsste sofort sehen, was da passiert. Und das finde ich einfach erschreckender, als die Tatsache es könnte sich tatsächlich um einen Asylanten handeln. Denn selbst wenn...? Faule Eier gibt es immer. Das hat die Menschheit so ansich und das wird auch immer so bleiben - da wird man absolut nichts gegen tun können. Es wird immer die geben, die von den Menschen vor ihnen durch Taten und Geschichten dazu getrieben werden die falschen Entscheidungen zu treffen. So ist das in Syrien. So ist das in Amerika. So ist das in Deutschland. Das wird es immer geben und das wird immer so sein.
Eltern werden ihren Kindern Werte vermitteln, die sie selbst vermittelt bekommen haben. Das Kind wird geformt werden von seiner Umwelt. Und was sollte eine Umwelt wie Syrien, in dem jeden Tag Bomben fallen, in dem die Wut auf Europa bei manchen so groß ist, in dem ein Kind mit Blut in den Straßen aufwachsen muss für eine andere Auswirkung haben?

Ich habe viele Reportagen gesehen, viele, die die westlichen Medien in Frage stellen. Reportagen, in denen mit den Menschen gesprochen wird. Syrische Frauen, die ihr Gesicht verbergen und über das Leid in diesem Land klagen. Männer, die um ihre Kinder weinen und die Kamera aus Respekt weg schwenkt. Syrier, die bloß ihrer Kinder Willen ihre Hoffnung aufrecht erhalten und dafür beten, dass der Krieg eines Tages aufhören mag. Die frei sein wollen, die morgens in die Bäckerei gehen und ein normales, glückliches Leben leben wollen.
Und auch während der Dreharbeiten fallen Bomben. Der Mann vor der Kamera erzählt, es sei gleich vorbei. Drei, vier mal würde es knallen, dann wäre für einige Stunden Ruhe bis "sie" zurückkommen würden, um erneut Bomben abzuwerfen. Auch Kinder werden interviewed. Ein Junge dreht nervös den Stoff seines recht sauberen T-Shirts zwischen den Fingern. Vielleicht ist er 7 oder 8. Er erzählt den Reportern, er habe die Explosion gehört, als sie die Bäckerei angriffen. Menschen seien hin gerannt um zu helfen. Da sei das Flugzeug wieder zurück gekommen um die Helfenden auch zu bombardieren. Tage später habe er den Kopf eines Nachbarskindes auf der Straße gefunden. Er sei bei der Explosion abgerissen worden. Auch auf den Dächern der Häuser habe ma Körperteile gefunden. Sie seien durch die Luft geschleudert worden und auf den Dächern liegen geblieben.

So etwas erzählt ein Kind, als hätte es ein Theaterstück mit Handpuppen gesehen.
Könnte man sich das hier in Deutschland vorstellen? Das ist absolut undenkbar.
Solche Geschichten sehe ich und nicht nur ein Mal musste ich aufstehen und mir ein Taschentuch aus der Küche holen. Das sind Dimensionen von Leid, die hier nicht vorstellbar sind. Nicht greifbar sind.
Man hört die Geschichten, schaltet um und vergisst sie normalerweise auch wieder, sobald man auf Prosieben bei Big Bang Theory stehen bleibt. Würde ich dort leben müssen, würde ich mir das Leben nehmen. So lange kann niemand dort seine Hoffnung aufrecht erhalten, wie diese Menschen.
Und wenn ich dann Jemanden von hier sagen höre "Das ganze Flüchtlingspack soll dahin zurück wo es herkommt!", dann werde ich innerlich so wütend, wie ich es nicht von mir gewohnt bin. Diese Menschen möchte ich dorthin schleifen, wo Kinderköpfe auf der Straße liegen, wo ein Vater sein Kind in ein Bettlaken einwickelt und in ein Massengrab legen muss, wie in einen Sammelbehälter für Altglas. In dem die Straßenhunde so verwahrlost sind, dass sie die liegengebliebenen Leichen fressen.
Es gab eine tolle Reportage über die Berichterstattung um das Thema. Es gibt haufenweise Videomaterial von Flüchtlingen, die in Reihe und Glied an einem Wassertank anstehen und darauf warten an der Reihe zu sein. Es gibt Bilder von Männern, die für die Kinder Gitarre spielen um sie vom Elend abzulenken, es gibt Videos auf denen eine Frau aus einem Nachbardorf mit einer Kiste Plüschtiere in ein Flüchtlingslager kommt und die Kinder um sie herumhüpfen wie Welpen. Der Sprecher sagt sowas wie "Es ist nicht alles schlecht. Bei weitem nicht. Die Situationen, die wirklich eskalieren sind sogar recht selten. Jeder möchte hier etwas zu essen und zu trinken. Jeder möchte in Frieden Leben. Die Menschen haben genug vom Krieg und von Gewalt. Aber ein Film, auf dem sich syrische Männer prügeln oder die Kinder Müll hinterlassen sind viel effektiver für die Einschaltquoten."

Wisst ihr, ich kann verstehen, wenn Jemand sagt "Es ist zu viel." Und im Grunde ist es das auch. Immerhin sprechen wir nicht von 10.000 Menschen, die sich auf verschiedene Länder verteilen. Wo sollen sie leben? Wo arbeiten? Die Menschen werden nicht sofort einen Job finden, also muss der Staat für sie aufkommen. Und wenn der Staat aufkommen muss, dann bedeutet das im Grunde nur, dass der Bürger mehr zahlt. Ich stecke auch im Arbeitsleben und weiß, wie viel man abzwacken muss. So viel, dass man gute paar Monate umsonst arbeiten geht.
Da kann ich nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die WIRKLICH besorgt sind. Aber der Staat gibt so viel Geld für schwachsinnige Scheiße aus und niemand beschwert sich massiv darüber. Irgendwo werden für 25.000 Euro Lichterketten angebracht, die überhaupt nichts nützen. Es werden für 250.000 Euro Parkanlagen gebaut, mitten in die Pampa, die absolut Niemandem etwas bringen. Die sinnlosesten Bauarbeiten werden veranlasst, für wasweißich wie viel Geld.
Da gibt es eine tolle Sendung zu - oder gab - die das aufgezählt hat, wofür Deutschland im Jahr wie viel Geld ausgibt. Und das ist teilweise an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.
Aber niemanden kümmert es. Man weiß ja auch nicht, wofür das Geld gebraucht wird. Interessiert einen dann ja auch nicht.
Bis einem offensichtlich vorgelegt wird, dass dieses Geld Menschen zugute kommt; Fremden. Fremden, deren Kultur und Verhaltensweisen sich so sehr von unseren unterscheiden. Denen man nicht traut. Nehmen wir an du hast 20€. Würdest du den Schein eher deinem Bruder geben, damit er sich einen schönen Abend machen kann oder einem Obdachlosen; einem Fremden, dem du im Grunde nicht traust? Was wäre davon fair? Hinzukommt, dass du im Radio gehört hast, dass irgendwo in den Niederlanden ein Obdachloser einen Mann erschossen hat. Eine Woche später siehst du im Fernsehen, dass ein Obdachloser in Köln eine junge Frau unsittlich angefasst hat. Würdest du den Schein immer noch dem Menschen geben, der im Grunde nur eines mit den anderen gemeinsam hat: "Obdachlos zu sein" ? Oder gibst du es deinem Bruder, obwohl du weißt, dass es ihm im Grunde an nichts fehlt und er das Geld versaufen würde?

Das, was zurzeit auf der Welt und auch hier in Deutschland passiert, finde ich abscheulich und schockierend. Diese Verallgemeinerung, diese Heuchelei, diese Hinterfotzigkeit der Machthaber, das Gesabber nach Reichtum und das Fehlen von angebrachtem Mitgefühl. Es kotzt mich an.
Nimm eine Gruppe von 100 Menschen. Dabei findet sich sicher Jemand, der einen anderen bestehlen würde. Nimm eine Gruppe von 500 Menschen. Da ist die Chance höher Jemanden zu finden, der moralisch falsch handelt. Und nun nimm eine Gruppe von 50.0000 Menschen. Was meinst du, wie viele Menschen du dann findest, die stehlen und betrügen würden? Und die Rede ist hier von Menschen, nicht von Syriern, Amerikanern oder Deutschen.
Es kommt dazu noch darauf an, wie diese Menschen moralisch erzogen wurden. Wie son ihrer Umwelt geformt wurden. Aber das ist eine Sache, die auf absolut jeden Menschen dieser Welt zutrifft. Und nur, weil es ein Arschloch unter 100 Menschen gibt, heißt das dann, dass diese 100 Menschen auch Arschlöcher sind? Es ist ja immerhin einfacher zu reden ohne vorher zu denken.
Also ich möchte nicht in der Welt als Nazi beschimpft werden nur weil ich Deutsche bin.
Und die, die so tun, als wäre hier noch nie eine Frau vergewaltigt worden, als wäre hie noch nie Jemand ermordet oder irgendwas gestohlen worden kann ich absolut nicht nachvollziehen. Solche Menschen sind Gift für eine Gesellschaft.

Ich könnte noch über so vieles schreiben und das seitenweise. Aber dazu fehlt mir einfach die Motivation. Das ist ein recht sinnloser Kampf für das Gute.
Es kotzt mich einfach an, dass ich wieder tonnenweise Mitleidsbekundungsbildchen mit belgischer Flagge drauf sehen muss. Und es kotzt mich auch an, dass alle saudummen Schafe sofort mit dem Schmierfinger auf die Asylanten zeigen. Die Asylanten haben mit Sicherheit keine Waffen an Syrien verkauft. Das waren wir Deutschen.

Und wieder muss ich an den Jungen denken, der vom Kopf des Nachbarskindes erzählt...

Urteilt nicht übereilt. Denkt, bevor ihr den Mund aufmacht. Hinterfragt. Lasst euch nicht manipulieren. Stellt eure eigenen Fragen und sagt eure eigene Meinung. Versetzt euch in die Lage anderer. Das ist der einzige Grund, wieso Deutschland "die Augen aufmachen sollte". Wir werden gepresst wie eine gepflückte Blume; ausgequetscht, bis wir perfekt ins Bilderbuch passen. Und ich möchte keine zerquetschte, tote Blume sein.



Kommentare :

  1. So ähnlich wie du denke ich auch! Viele Menschen denken einfach nicht weiter über den Tellerrand hinaus.

    AntwortenLöschen
  2. Verdammt, dass musste jetzt raus. Dieser Eintrag hat es in sich, aber diese "dummen" Menschen, könnten Millionen solcher Texte lesen, sie würden auch weiterhin vor DUMMHEIT triefen. Menschen wie mir machst du jedoch Mut, Mut seine eigene Meinung, direkt und ungefiltert heraus zu lassen. Auch ich gehörte eine sehr lange Zeit zu diesen Menschen, die den "großen" Menschen in den Medien glauben schenkte, aber irgendwann zweifelst du alles an, so traurig es auch erscheinen mag, aber wir müssen für uns selbst die Wahrheit finden. Danke für diesen Beitrag, vielen, vielen DANK.

    AntwortenLöschen
  3. Ps: Ich muss noch schnell den Punkt mit den Flaggen aufgreifen....es ist wieder so typisch. Alle posten sie dieses Bildchen mit den beiden Länderflaggen., anstatt sich wirklich mit dem Thema auseinander zu setzen, vielleicht ein paar "EIGENE" ehrlich Worte zu dieser schlimmen Tat zu finden. Glauben sie allen ernstes, dass es mit diesem Bildchen getan ist?? Wie trostlos dieses Welt mit all diesen Menschen darin erscheint.

    AntwortenLöschen

Ich freu mich immer über liebe Kommentare. Wer tut das nicht? :3 Danke, für jeden einzelnen! Auch, wenn ich nicht immer sofort antworten kann.
// Im Normalfall antworte ich hier. (:

EN | GER

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...