Bereit für die WM 2014? Die Brasilianer sind es nicht.

Menschenhass ist das einzige Wort, welches mir zur WM 2014 einfällt.
Verachtung. Missbilligung. Abscheu... Das sind Worte, die einfach nicht genug sein wollen.

Der Kühlschrank ist voll, man hat extra die Chips mit "Brasilienflair" gekauft und jeder durfte sich eine Dose mit Fußballprofiautogramm aussuchen. Die Kohle steht neben dem Grill bereit und man zupft die letzten Falten aus der Deutschlandflagge, die über einem der Gartenstühle hängt, bereit bei jedem noch so winzigen Erfolgserlebnis in die Luft gerissen und geschwungen zu werden.
Deutschland ist wieder ein Land. Eine Einheit. Mit einem lächelnden und einem misstrauischen Auge zwinkern wir den Nachbarsländern zu - nur nicht zu viel der Nachbarschaftlichkeit.
Die Freunde sind eingeladen. Die Schwiegereltern schauen lieber mit den sonst so verhassten Nachbarn auf dem Balkon. "Guck mal, ist das nicht lustig?" Das Gesicht bemalt wie ein deutscher Ronald McDonald.
Alle freuen sich auf die WM. Alle können es kaum erwarten. Und alle halten sich die Augen und Ohren zu - so unbeholfen gegenseitig, weil das so schwierig ist, wenn man gerade in die Bockwurst beißt, während man versucht das Ei im Fußballoutfit und das Bier zu balancieren.
Bei jedem WM Spot im Radio schalte ich um. Bei jedem im Fernsehen. Aus Gesrpächen über die ungebändigte Vorfreude auf das "kuschelige Public Viewing" halte ich mich dezent raus. Ich kann's nicht mehr hören.

Da postet Jemand ein Video auf Facebook: Reihenweise nackte, schmutzige Kinder knien in einer Halle. Sie halten ihre Köpfe mit beiden Händen fest umklammert; manche halten sich die Ohren zu. Hinter ihen eine Reihe bewaffneter Männer. Familienväter. Söhne. Ehemänner. Ich kann mir denken was passiert. Mein Herzschlag beschleunigt sich und ich schaue mir das Video garnicht erst an. Und das tut wahrscheinlich Niemand. Es wird weggeklickt. "Ich möchte das nicht sehen." Niemand reagiert darauf. Ich teile es auch auf meiner Pinnwand. Nichts. Keine Reaktion. Nicht einmal von denen, die mir sonst einen schriftlichen Vortrag darüber halten, dass man nicht alles glauben soll.
Ich bin ungläubig und erschrocken und google. Möchte herausfinden, was da hinter steckt. Hat dieses Video mit der WM zu tun?

Ich stoße auf reihenweise Zeitungsartikel, Reportagen, Plakate, Demonstranten auf Fotos, ...
"Der Kinderstrich boomt im Schatten der Fußball WM" - eine Geschichte einer mittlerweile 23jährigen jungen Frau; ehemalige Kinderprostituierte.
"Eskalierende Gewalt in Brasilien" - Ein kleiner Blogbeitrag über die Zustände auf Brasiliens Straßen.
"Tötungsmaschinerie vor EM 2012 geht als Beispiel voran." - Hier entgleist das systematische säubern der Straßen von streunenden Hunden und Katzen indem man sie einfach bewusstlos prügelt und in Müllpressen "entsorgt". Die Tiere büßen immer als erstes für die Fehler der Menschen.
"Rios verschleppte Kinder" - eine Reportage über die Crack-Kids Brasiliens, die für die WM auf Zwangsentzug weggesperrt werden. Wer sich um sie kümmert oder weiß, was mit ihnen geschieht ist egal. Hauptsache Brasiliens Image ist sauber.
"Stärke zeigen auf Kosten der Bürger" - "Statt in Schulen und Krankenhäuser investierte Brasilien umgerechnet bis zu zehn Milliarden Euro in teure Stadien und in die Infrastruktur für die Fußball-WM".

Da läuft einiges nicht richtig. Nicht nur, dass Menschen Säuberungsaktionen zum Opfer fallen und die demonstrierenden Einwohner ausgelacht und bekämpft werden... Es fließen Millionen von Euro in die WM - und nichts bleibt für die, die das Geld wirklich nötig hätten. Aber das kennt man ja.
Vor ein paar Tagen zündeten Demontranten 200 Busse an, die für den Transport der WM Touristen vorgesehen waren. Für normale Stadtbusse hat die Regierung angeblich kein Geld.
Neugeborene Kinder werden ihren Müttern nicht im Kinderbettchen ans Krankenbett geschoben sondern in Schuhkartons. Für alles andere "sei kein Geld da."

Diese Ungerechtigkeiten passieren jeden Tag zu jeder Zeit. Während ich im Kino sitze und Popcorn knabbere denke ich nicht selten daran, wer gerade irgendwo auf der Welt den Traum hat ein Mal in ein richtiges Kino zu gehen. An die Kinder, die sich verkaufen müssen um sich etwas schönes leisten zu können. Dann denke ich "Mein Gott. Ich hab's gut.", und schäme mich gleichzeitig direkt dafür.
Man sollte nicht so leben, dass man auf alles verzichtet nur weil es Menschen gibt, die nicht das Glück haben in der Situation zu sein. Seien wir mal ehrlich: Uns geht es verdammt gut.
Aber man sollte auch öfter mal daran denken, dass es auch schlimmer sein könnte und das schätzen, was man hat.Wir mussten nicht mit ansehen wie sich unsere Geschwister prostituieren. Wie unserem Vater ins Gesicht geschossen wurde. Wie unsere Mutter vom Einkaufen nicht wieder kam, weil sie entführt und verkauft wurde. Wir haben ein Dach überm Kopf. Haben Familie und Freunde.
Das sind die Dinge, für die ich jeden Tag dankbar bin, auch wenn ich es nicht immer ausspreche. Ich denke ziemlich oft daran.

Es ist ungerecht, dass uns solche Missstände (kann man solche Gewalt überhaupt noch als "Missstand" ansehen...?) immer nur dann auffallen, wenn wir von den Medien darauf hingewiesen werden. Wir schlagen uns erschrocken die Hand vor den Mund. Sind bestürzt, vielleicht einen Moment traurig - und das war's dann. Beißen in unser Eis. Genießen die Sonne. Während irgendwo auf der Welt Kinder in einem Keller gehalten werden. Vielleicht hört man dann in einem Monat, dass sie alle lebendig begraben wurden. Dass sie befreit wurden. Dann ist der Jubel groß. Alles andere schürt nur die Sensationsgeilheit der einen und drückt den Glauben an die Menschheit bei den anderen.

"Tu lieber was als zu schreiben!" - Aber was? "Mut ist weiterzumachen, auch wenn der Gegner übermächtig scheint." Aber mit welcher Armee kämpfen? Gegen die Welt? Allein?
Man verkriecht sich in seinem Schneckenhaus. Ist froh, dass es wiedermal die anderen getroffen hat und nicht einen selbst. Bejubelt die, die den Mut haben auf die Straße zu gehen. Beschimpft die, die sagen "Kann man eh nix dran ändern." Aber selbst ändert man auch nichts. Man spricht es nur nicht aus.

Bei all dieser Grausamkeit fasse ich wieder neuen Mut mein Leben so richtig zu leben wie möglich, verliere aber auch gleichzeitig die Hoffnung in die ganze Welt.

Nur aufgeben sollte man nicht.

Zum Abschluss dieses Farbverlauftextes von Rot nach Lila möchte ich sagen, dass sich einige einmal an die Nase fassen und überlegen sollte, ob ihre Problemchen wirklich so schlimm sind, wie sie meinen. Natürlich nimmt jeder seine Probleme anders wahr. Aber wenn man stehen bleibt, tief ein und aus atmet und die Augen öffnet, dann kommt einem ein versauter Kirschkuchen wie das lächerlichste First-World-Problem vor, das man sich vorstellen kann. Kein Grund zu weinen. Jedenfalls nicht mit beiden Augen.
Und was ist mit dem ausverkauften Maskara? Mit der angekratzten iPhone Hülle? Mit dem Soßenfleck auf der Lieblingshose? Was ist mit dem leeren Notepad-Akku, oder dem abbkätternden Nagellack? Mit dem verpassten Maniküretermin und dem Schlammloch, in das man mit den neuen Schuhen getreten ist?

Mal ehrlich. Spätestens beim zweiten Mal ausatmen werden wir feststellen, dass das einfach reiner Scheißdreck ist über den wir da flennen.

Ich werde mir die WM nicht anschauen. Ich werde zu den Grillabenden fahren, die vielleicht hoffentlich nicht um 3 Uhr morgens anfangen werden, werde mit Leuten zusammensitzen und Spaß dabei haben, aber mir die Spiele nicht ansehen. Jetzt erst Recht nicht. Es klingt nicht nach viel, das nun zu sagen, aber ich lass den Fernseher aus für jeden Menschen, der unter der WM zu leiden hat und jeden Protestanten gegen die UEFA in Brasilien, der vom Staat belächelt wird.
Und vielleicht mache ich mir dann morgen mal ein paar Gedanken darum, ob ich das Shirt Made in Bangladesh wirklich unbedingt brauche oder nicht. Aber das ist ein anderes Thema zu einer anderen Zeit.

Kommentare :

  1. Ich finde es richtig gut, dass du solche Dinge aufzeigst, darüber schreibst. Ein Blog sollte auch dafür da sein. Wir alle müssen hinsehen, auch wenn es unbequem ist: Es ist das einzig RICHTIGE. Ich dachte mir bei den Winterspielen in Sotschi schon, ob es denn in Russland nicht genügend Menschen gäbe, die das Geld, dass die für diese blöde Veranstaltung ausgeben, mehr als brauchen.

    Immer dasselbe auf dieser Welt. Wir können echt froh sein, dass wir in unser Leben geboren wurden und in kein anderes.

    Etwas deprimierte Grüße,
    Casey

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  2. Ich finde es gut, dass Du über solche Dinge schreibst und in vielen Punkten kann ich auch einfach nur mit dem Kopf nicken. Du hast ja so Recht. Aber man selbst ist einfach nur ohnmächtig gegenüber so vielem und wie Du auch so schön schreibst, man kann echt froh sein für das was man hat und wie gut es einem persönlich geht. Jeden Augenblick genießen und sich nicht über Kleinigkeiten aufregen.

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    1. @Casey Nonsense
      @frl wunderbar
      Bei sowas Heiklem überlege ich immer kurz, bevor ich es veröffentliche. Es ist mir dann aber auch schnell egal. Ich will meinen Mund nicht halten müssen, weder aus Unbehagen, noch aus Angst, noch aus Scham.
      Das, was ich denke oder sage ist selbstverständlich nicht zu 100% korrekt. Aber wenn man den Mund aufmacht, dann tun es einem andere gleich und nur dann kann ein Austausch und eine Diskussion stattfinden, wie auch ein Wandel vorangetrieben werden.

      Liebe Grüße!

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  3. Geehrte Caddü,

    ich bin mir der nachfolgenden Anprangerung deiner Leser bewusst, aber so sehr uns dein Beitrag und deine Meinung bewegen sollen, unterscheidet es in keiner Weise von denjenigen, die von dir angeprangert werden. Das, was uns momentan die Medien präsentieren lenkt uns nur von dem restlichen Elend in der Welt ab. Es gibt überall auf der Welt Elend und Not, und so gerne es auch kaum einer glauben mag, selbst in unserem Land herrscht genügend „Menschenhass“, Diskriminierung und Ausbeutung. Mit Sicherheit, die Maßstäbe dieser Dinge sind in jedem Land anders. War es schon immer und wird es immer sein. Da spielen so viele Faktoren mit, dass es nie eine Gleichheit geben wird. Es gibt immer Schattenseiten und Sonnenseiten. Und das ist nicht nur seit dieser WM. Brasilien ist nicht das einzige Land. Las Vegas ist auch ein Beispiel. Eine Metropole mit blinkenden und leuchtenden Häusern, dem Versprechen des schnellen Geldes und den Freudenzügen der Sexualität. Aber auch dort leben Menschen in den Kanälen, obdachlos, ernähren sich von Resten. Ihnen schenkt derzeitig niemand Aufmerksamkeit. Schau nach Osten, Süden, Westen und Norden. Schau auf die Welt und du wirst es überall sehen. Brasilien hatte solche Probleme auch schon vor der WM, da hat es nur keiner in den Medien geschrieben, weil es nicht „wichtig“ war. Aber jetzt wollen es alle lesen, um sich zu rühmen, dass man diesen Dingen plötzlich Beachtung schenkt. Ist die WM vorbei ist das auch alles wieder vergessen. Es ist immer diese gleiche Prozedur. Und Menschen anprangern, die grillen und in Gruppen die Spiele anschauen, werden niemals anders sein, sich ändern. Sie denken nicht darüber nach. Sie leben ihr Leben. Genauso wie du. Nur auf ihre Art und Weise. Und es spielt keine Rolle, ob man die Spiele anschaut. Du wirst auch zusammen mit deinen Freunden sitzen, grillen, Spaß haben und an dem Abend mal kurz über das Elend denken und dann weiter lachen. Du wirst Nahrung zu dir nehmen, die in anderen Ecken der Welt fehlen, du wirst in Zukunft Dinge kaufen, deren Notwendigkeit fraglich ist. Es wird sich nichts ändern. Die Menschheit ist bequem geworden und wie du geschrieben hast „Uns geht es doch gut“. Wir leben unser Leben, kaufen unnütze Dinge, schmeißen Nahrung weg, posieren uns in eine bunte Glitzerwelt.
    Ich finde es gut, dass du dir darüber Gedanken gemacht hast, aber die Spiele nicht zu schauen, ändert eigentlich nichts. Dein und unser Leben wird weiter gehen, genauso wie das Leben der Menschen auf anderen Kontinenten. Der Verzicht auf Alles wäre eine Änderung. Würde aber keiner machen, weil wir in eine Konsumwelt hineingeboren wurden. Das ist und bleibt unser Stempel und unsere Gesellschaft, in der wir überleben müssen.

    SchattenRog

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    1. So traurig das auch klingt - genau dasselbe hab ich mir auch gedacht. Danke caddü für den Beitrag, ich bin schon froh, wenn Menschen allein darüber nachdenken und natürlich entspricht alles was du sagst der Wahrheit... aber dennoch: ein noch größeres Danke an diesen Kommentator, denn er spricht aus, wovor man (ich zumindest) so viel Angst hat es zuzugeben: Wir sind machtlos. Der bittere Nachgeschmack dieses Gedankens... so ätzend und widerlich und allein wenn ich daran denke wird mir schlecht...
      trotzdem allerliebste Grüße an dich!

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    2. @anni
      Das ist auch etwas, was mich zutiefst anwidert. Dass wir damit leben MÜSSEN.
      Egal was wir tun, wir leben auf Kosten anderer. Aber wer will schon in eine Gegend ziehen, in der es keinen Strom, kein fließend Wasser und keine Verkehrsverbindungen gibt, um sich sein eigenes Pflänzchen anzubauen und sein eigenes Hühnchen zu züchten?
      Ich komm mir echt dämlich vor, das zuzugeben, aber ich würde das nicht wollen. Natürlich würde man sich irgendwann dran gewöhnen, aber schon allein die Menschen, die mir nahe stehen würden mir unglaublich fehlen... Ich würde mich so verdammt einsam fühlen - das könnte ich nicht...
      Diese Konsumhaut in die man uns gezwängt hat kotzt mich an...

      Liebe Grüße zurück und danke für deine Meinung. (:

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  4. Trotz meiner hämmernden Kopfschmerzen muss ich dir unbedingt antworten.
    WAS für ein Kommentar. Ich genieße es, wenn Menschen mit Verstand auf das reagieren, was ich da zusammentexte.

    Ich habe ja schon im Text geschrieben, dass sich Ungerechtigkeit, Unmenschlichkeit und dergleichen nicht nur zur WM abspielt, sondern jeden Tag. So viel wird von den Medien vertuscht, so viel worüber es sich nicht zu berichten "lohnt". Ich finde es schrecklich, dass die Menschen immer mal kurz durch solche Horrorgeschichten aus ihrem Glitzertraum wachgerüttelt werden und nach einem kurzen Schockmoment sofort wieder einschlafen. Aber dagegen kann man wirklich nichts tun, so grausam und willkürlich sich das auch anhören mag - und ich hasse es, so etwas zu solch einem Thema bekennen zu müssen.

    Im Übrigen: Niemand wird hier für seine ehrliche Meinung angeprangert. Ich bin für offene Diskussionen und jeder sollte das laut aussprechen, was er zu sagen hat. Ob das menschlich so korrekt ist, darüber kann dann diskutiert werden! Ich find's super, dass du dir die Zeit genommen hast den Kommentar zu schreiben.

    Ich prangere Niemanden an, der sich mit Spaß die Spiele anschaut. Ich habe selbst mehr als genug Fußballfans, und welche, die nur zur WM welche werden, die sich dadurch aber wohl kaum angegriffen fühlen. Vielleicht hab ich mich da auch etwas zu ... künstlerisch frei ausgedrückt. Es geht mir um die Menschen, die überhaupt nicht wissen wollen, was in diesem Land passiert. Die sich Ohren und Augen zuhalten und über sowas "der Stimmung wegen" überhaupt nicht erst nachdenken wollen.
    Es ist immer sehr schwierig seine Gedanken aufzuschreiben, ohne Jemandem auf die Füße zu treten. Damit wollte ich den Menschen einfach den Spiegel vorhalten.

    Ich hab auch heute viele Interviews und Reportagen zu Brasilien gelesen, von Menschen, die die Missstände dort auch schon vor der WM aufgezeigt haben. Natürlich gibt es sowas nicht erst seit der WM. Aber du musst verstehen, dass ich die Probleme der ganzen Welt nun nicht in diesen kleinen Post packen konnte! (: Ich schweife ohnehin viel zu oft ab und rede wild herum, sodass ich manchmal garnicht mehr weiß, was ich sagen wollte. Ich hätte noch über das Problem mit den Made in China Klamotten eingehen können, aber heute hatte ich einfach nicht die Nerven dazu und zum Post gepasst hätte es auch nicht.
    Ich habe ja auch viele Links gepostet, die die Situation in Brasilien auch außerhalb des WM-Schattens beschreiben.
    Wie gesagt, ich kann leider nicht auf ALLES in einem Post eingehen - das ist nicht möglich.

    (ich muss den kommentar teilen XD)

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    1. Kann schon sein, dass man sagt: Böh, guck dir die an. Meint die könnt was ändern indem die die Spiele nicht guckt.
      Nein. Das habe ich garnicht vor. Hier ist es das gleiche Prinzip, wie mit manchen Vegetariern. "Wieso isst du das nicht? Das wird auch nicht wieder lebendig wenn du's nicht isst." "Die Welt wird nicht aufhören Tiere zu töten nur weil du kein Fleisch isst."
      Es wäre wirklich töricht so etwas wirklich zu glauben. Das was da zählt ist einfach das Gewissen. Die Genugtuung. Der "Ich mach das weil ich es für mich für richtig halte."-Gedanke. Mir ist schon klar, dass sich nix ändern wird, nur weil ich mir die Fußballspiele nicht reinziehe und die WM an mir vorbeistreichen lasse! (: Aber ich fühle mich gut dabei, es nicht zu tun. Einfach aus Respekt vor den Demonstranten. Wenn ich zu meinem Freund sage: Wenn du das Brot wegwirfst, dann denk dran, wie viele Menschen auf der Welt hungern müssen.
      Er antwortet mir dann: Den Menschen bringt meine Schnitte Brot auch nichts.
      Aber das hat nichts damit zu tun, was du da wegwirfst. Das hat etwas mit der Mentalität zu tun, die man an den Tag legt. Ich esse auf, weil ich dankbar dafür sein kann. Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll, ohne, dass mir Jemand daraus einen "Heuchler"-Strick drehen kann... xD Denn das soll so nicht klingen.

      Mein Beitrag soll niemanden bewegen oder zum Weinen bringen. Das will ich damit nicht bezwecken. Ich will in erster Linie meine Meinung sagen. Was die Menschen daraus machen, bleibt ihnen überlassen. Meistens endet das in Diskussionen - was auch gut ist! Ich sage ja nicht, dass alles, was ich hier predige auch das Ultimative ist.
      Nur denke ich nicht, dass sie sich nicht von dem unterscheidet, was ich hier loswerde und worauf ich mit dem Finger zeige. Denn ich habe meine Meinung gesagt und den Mund aufgemacht. Irgendwie. Ich glaube, mich auf den Alexanderplatz in Berlin zu stellen und das alles rauszuschreien, würde auch nicht viel mehr bringen, außer, dass ich am Ende vielleicht verhaftet werde, weil Jemand die Polizei gerufen hat, der glaubt ich sei irgendwo entlaufen.
      Wie im Text auch steht, fehlt mir leider der Glaube daran, etwas daran ändern zu können. Weil es Niemand kann. Aber wenn sich schon allein EIN Mensch, der das hier gelesen hat anders fühlt, dann hab ich ja doch ein kleines was erreicht, auch, wenn ich nicht mit der Absicht hier herangetreten bin irgendwen zu belehren.

      Danke nochmal für deinen Kommentar! Und von "anprangern" kann ja nicht die Rede sein, wie man sieht! ;)

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  5. Hallo. Vielen Dank für deine differenzierten Ansichten! Ich kann dem nicht mehr viel hinzufügen. Aber danke nochmal!

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  6. sehr wahre Worte. mal ganz abgesehen davon, dass ich von Fußball ohnehin absolut nichts halte, finde ich es abartig, dass ein solches Spektakel in einem Land wie Brasilien abgehalten wird und die verheerenden Folgen bzw. auch schon vorher da gewesenen Zustände einfach ausgeblendet werden und alle nur Sambatänzerinnen und Caipirinha zeigen. aber es ist ya leider auch von der Masse so gewollt, mit dem eigentlichen Elend möchte niemand in seiner netten Vorstadtidylle belästigt werden …

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  7. Ich kann deine Meinung völlig nachvollziehen und gleichzeitig bin ich ein bisschen hin- und hergerissen. Auf der einen Seite finde ich es unbeschreiblich traurig, dass eine Fußball-WM erst alles platt walzen muss, bevor einem Missstände in einem anderen Land auffallen. Auf der anderen Seite ist es aber doch so (zumindest meiner Meinung nach), dass wir a) nicht von allen Missständen Kenntnis haben *können* auf der Welt (es gibt schon mehr, als in den Medien durchsickert und dennoch alle Beiträge zu sehen, dies es gibt, würde bedeuten, nicht mehr zu essen, nicht mehr zu arbeiten, nicht mehr zu leben) und b) nicht nichts mehr genießen dürfen sollten (denn letztlich geht alles das, was wir sehen, kaufen, essen, trinken, anziehen irgendwie auf Kosten anderer Menschen!).

    Wollte ich nicht, dass etwas, dass ich irgendwie mag/konsumiere anderen Menschen Leid zu fügt, muss ich in einer stromlosen Waldhütte leben. Eine Entscheidung für ein Leben, wie wir es kennen, geht immer auf Kosten vieler weniger Glücklicher in Ländern, die wir teilweise noch nicht einmal jemals besucht haben. Diese Tatsache zu ignorieren, finde ich falsch. Immer erst darüber zu reden, wenn die Medien es ausnutzen, finde ich aber fast genauso falsch - aber besser immer noch, als niemals darauf zu kommen.

    Wie man merkt, bin ich da wirklich uneins mit mir selber, mit allem. Daher schreibe ich auch eigentlich nie was auf solche Post wie der deine. Weil ich am liebsten auf beiden Seiten mitreden wollte. Da jetzt dieser Post von einer mir äußerst sympathischen Person kommt, hatte ich dann aber doch Lust, in diese Tasten zu hauen.

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  8. Hey,

    der Text regt wirklich zum Nachdenken an. Ich verstehe deinen Standpunkt. Natürlich wird es nichts ändern, sich die WM nicht anzuschauen. Andererseits ist es immer ein persönlicher Standpunkt, eine persönliche Weigerung, ein "ich mache da nicht mit." Und wer weiß, vielleicht regt eine Nachfrage "warum schaust du denn nicht?" eine Diskussion an. Und mehr Menschen denken darüber nach. Natürlich wird das in 5, 10, 20 Jahren nichts bewirken. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich ganz langsam doch etwas. Vor 100 Jahren war es auch unrealistisch, dass Menschen mit "anderer" Hautfarbe den gleichen Bus nutzen dürfen... Manchmal lass ich mich doch von meiner unrealistischen Hoffnung hinreißen, dass wir wenigstens ein bisschen was besser machen können.

    Zur anderen Seite, ich persönlich schau eh keine WM, weil es mich nicht interessiert. Aber ich weiß nicht, ob ich auch so konsequent wäre, wenn ich mich dafür interessieren würde. Wir nehmen uns doch oft viel vor und es scheitert am Durchziehen. Es ist schwer, wenn alle anderen deinen Standpunkt nicht nachvollziehen und die WM genießen (oder Fleisch, oder Kleidung von H&M oder Produkte, die vielleicht einen Pelzkragen haben, oder Erdbeeren im Winter oder oder oder, man kann hier einsetzen was man will... ) Oft werde ich dann doch schwach, ist ja nur ein Top bei H&M, es ändert eh nichts...

    Was kann man machen, außer es weiter zu versuchen? Versuchen, Dinge zu ändern, die man ändern will, Veränderungen passieren nicht über Nacht und niemand ist perfekt. Und manchmal kann man sich nur hilflos fühlen. Es wird wahrscheinlich immer ungerecht zugehen auf der Welt, aber trotzdem finde ich, dass jeder sein persönliches Bestes geben sollte, um das Leben für uns alle doch etwas erträglicher zu gestalten. Und sowas beginnt mit Kleinigkeiten im Alltag und weniger Egoismus und geht weiter mit Demonstrationen, Organisationen, Politik...

    Und noch zum Schluss: es ist natürlich traurig, dass sowas erst durch die WM ins "Rampenlicht" rückt. Aber das ist der Lauf der Dinge, keine Sendung wird jeden Tag über alles schreckliche der Welt berichten. Darum enden solche Sendungen auch meistens mit einem Bericht über niedliche Tierbabies aus dem Zoo, man soll sich ja nicht zuu schlecht fühlen. Es gibt einfach zu viele Baustellen auf dieser Erde, das ist die traurige Wahrheit...

    So, ich hoffe man versteht meine wirren Gedanken :`D Liebe Grüße und Respekt, dass du das schwierige Thema aufgegriffen hast :)

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  9. Was in der Welt passiert ist mehr als nur traurig - es ist grausam :(. Ich liebe Fussball und für mich gehört die WM dazu, nur leider wird sie überschattet & es fällt mir schwer, mich über die Tore meiner Lieblingsmannschaften zu freuen. Früher habe ich Fussball gespielt & mir geht es auch nur um die Spiele. Ich kaufe keine Fanartikel, denn das muss ich nicht unterstützen ! So wie ich die Spiele sehe schaue ich mir auch die Berichte über Brasilien an.

    Ich finde es gut das du deine Meinung hier so schreibst & es gibt einem zum Nachdenken, was ich sehr gut finde :)

    liebsten Gruss Yumiko

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Ich freu mich immer über liebe Kommentare. Wer tut das nicht? :3 Danke, für jeden einzelnen! Auch, wenn ich nicht immer sofort antworten kann.
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