BUCHTIPP! Die wundersame Geschichte von September ...

..., die sich ein Schiff baute und das Feenland umsegelte.


Ich hoffe, dass das Wetter bald besser wird. Ich hoffe, dass ich mal wieder ein Wochenende durchatmen kann...
Wie lange habe ich schon keine Fotos mehr gemacht?? :( Viel zu lange! Einfach mal was backen... einfach mal was schönes kochen... einfach mal einfach mal. Dafür habe ich im Moment weder die Ruhe noch die Lust. Immernoch. Ich weiß auch, dass das total nervt. Mich nervt es ja auch. Aber die Welt der Erwachsenen ist so schaurig beschäftigend, dass ich einfach nur noch Ruhe davon haben und mich mit einem Buch unter der Bettdecke verkriechen möchte.
Genau dieses Buch möchte ich heute vorstellen. Es ist lange her, dass ich ein Buch so verschlungen habe. Durch es habe ich noch einmal gespürt, wie es ist sich in eine andere Welt zu wünschen. Sich zwischen den Seiten zu verstecken und die Welt um mich herum auszublenden. Natürlich ist das nicht richtig, so wie exzessives Handygesuchte oder das Zwangsdauerkopfausschalten am Computer. Sich der Realität entziehen zu wollen ist niemals gesund. Aber manchmal doch arg notwendig.

Ich habe es vor mindestens einem Jahr in einer Buchhandlung im Schaufenster gesehen und mich sofort in das Cover verguckt.


Ich hatte erst befürchtet, dass es so ähnlich werden wird wie Alice im Wunderland, was - und an dieser Stelle musst du mir verzeihen, geliebte Wu - nur als Disneyfilm mein Interesse weckt. Ich wollte keine verwirrend kompliziert fantastische Lektüre, keinen verkitschten OZ und auch keinen Kinderkram, in dem sich nicht ein einziges Mal das Wort "Blut" in dem Sinne hervorlocken lässt, in dem man es sich wünscht.
Wie ich feststellen musste fiel dieses Wort häufiger, als ich dachte. XD Es wurden Beine gebrochen, Haare abgeschnitten, Haut aufgeschlitzt und Innereien ins Meer geworfen...
An mancher Stelle empfinde ich es als sehr kindlich - vielleicht ein wenig zu blauäugig. An mancher Stelle bin ich gänzlich davon abgebracht worden, dass es sich auch nur ein bisschen um ein Kinderbuch handeln könnte. :D

Ich habe hier noch das Inhaltsverzeichnis:

Die 12-jährige September führt ein schrecklich langweiliges Leben in Nebraska, wo sie den lieben langen Tag nur gelbrosa Teetassen abspülen und mit ihrem Hündchen spielen kann. Bis eines Tages der Grüne Wind auf seiner Leopardin der leichten Lüfte an ihr Fenster fliegt und sie zu einem großen Abenteuer ins Feenland einlädt. Tatsächlich wird September dort dringend gebraucht, denn die neue Marquess, die nicht älter ist als September selbst, ist eine schreckliche Herrscherin: Wenn es September nicht gelingt, einen Gegenstand aus dem gefährlichen Gespinstwald zu holen, wird die Marquess das Feenland in einen langweiligen, phantasielosen Ort verwandeln und den Einwohnern das Leben zur Hölle machen – und darunter sind auch Septembers neue Freunde, der bücherliebende Lindwurm A-L und der blaue Dschinn Samstag. Mit viel Mut und noch mehr Herz stellt sich September ihrer schwierigen Aufgabe. Für Leser jeden Alters, die den Charme von ALICE IM WUNDERLAND und die Phantasie der UNENDLICHEN GESCHICHTE lieben. Dieses Buch ist unvergesslich.

Immer dann, wenn mir die Welt hier zu langweilig, laut, anstrengend, bedrückend und hektisch wurde, flüchtete ich mich zwischen die Seiten und begleitete die abenteuerliche Reise von September und ihren wundervollen Freunden bis zum nächsten Lesezeichenstop. (Dieses Werk besitzt sogar sein eigenes Lesebändchen. ^_^) Erst nachdem ich die letzte Seite umgeblättert hatte fiel mir auf, dass das Cover auf den Innenseiten knallorange ist - Septembers Lieblingsfarbe - was sicherlich kein Zufall ist.

Wunderbar finde ich die Stadt, in der immer Herbst ist. Immer Halloween.
In der es immer Kürbiskuchen, Maronentee und dicke rote Radieschen gibt. In der es jeden Tag nach Apfelsaft, Laub und Erde duftet. <3 Und die auch zeigt, wie hinterlistig und gefährlich der Herbst sein kann.

Die Figuren sind meist wirklich liebevoll beschrieben. Ganz verliebt habe ich mich in den Golem Lug, ein Seifenmädchen, welches den Mut der Reisenden auf ihrem Weg in die Hauptstadt des Feenlandes in ihrem herrlichen Badehaus rein wäscht. <3
September ist im übrigen ein kluges Mädchen - welches mich zu wirklich keiner Sekunde übermäßig genervt hat! :D Sie weiß um die Gefahren des "der Held eines Abenteuers" seins und stellt oft die Fragen, mit denen man als Leser und Zuschauer niemals gerechnet hätte! Ich habe jedenfalls einige Male erstaunt die Augen aufgerissen. :D

Ich würde das Buch immer und immer wieder lesen und bin überglücklich, dass es noch ein paar weitere Teile davon gibt! Der nächste Band ist "Die wundersame Geschichte von September, die unter das Feenland fiel und mit den Schatten tanzte" <3 Ich freue mich drauf! (:



HUFFLEPUFF, AHOO!

Im Moment ist alle so: Arbeiten, nach Hause kommen, schlafen. Arbeiten, nach Hause kommen, schlafen. Am Wochenende arbeite ich Sonntags; manchmal habe ich einfach nicht die Kraft eine Samstagnacht durchzuzechen. Freitags gehe ich ab und an mit Freunden raus - das war es auch schon. Dienstags ist Orientalischer Tanz. Das ist im Moment mein Leben. xD

Da bin ich froh für jedes Bisschen Abwechslung! Dieses Wochenende habe ich im verschneiten Tinhausen verbracht, in einer kleinen Hütte auf einem Berglein - ringsum Wälder und verschneite Hügel - mit knisterndem Ofen, warmem Bett und 14 kleinen Huffles. (:
Wir hatten unser erstes Huffletreffen und es war wunderbar. Marshmallows wurden am Ofen gegrillt, Stockbrot auch (♥), ich bin das letzte Mal mit 10 so schnell mit einem Schlitten einen Berg hinuntergebrettert (und habe mir wirklich weh getan, nachdem uns nur ein großer, gefrorener Maulwurfshügel abbremsen konnte. XD), eine Aufgabe musste gelöst werden (ein Schrumpftrank gegen den Giftefeu musste her, der in der Nacht ausgebrochen war und die Hütte "umzingelt" hatte) und am Freitag (nachdem wir alle beschlossen hatten den Rest des Anreisetages OT zu verbringen) wurde ordentlich gebechert! XD ♥

Eine richtig tolle Hufflesause. Ich hoffe ich muss nicht zu lange warten, bis ich sie alle wiedersehe. (:
Die vielen tollen Polaroidfotos zeige ich natürlich auch noch! (:


...und mein Hogwartserlebnis muss ich ja auch noch weiterschreiben... uiuiui. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr entfällt mir. Q_Q

REVIEW: Awesome Sticker selbermachen! Mit stickerapp.de

Wenn ihr die Welt immer schon mit euren eigenen Stickern verschönern wolltet, ist StickerApp genau das richtige. (:
Vor Kurzem habe ich dort bestellt und bin absolut begeistert!


Ich hatte vorher noch nichts von dieser Seite gehört, bis ich eine Mail bekam, ob ich den Service nicht einmal testen möchte. Am selben Abend noch entwarf ich zwei Sticker und bestellte auf der Seite. :D
Eine Woche später kam dann ein gepolsterter Umschlag mit meinen Stickern an! <3


Man kann Sticker in verschiedenen Formen drucken - sogar Stickerbögen sind möglich! (: Ich habe mich für zurechtgeschnittene Sticker entschieden und war positiv überrascht, dass man sogar die Dicke des Randes einstellen konnte. (: Auch kann man das Wunschmaterial wählen. Hochglänzend finde ich bei Stickern immer sehr schön.

Die Sticker werden gut verpackt in wiederverschließbaren Beuteln geliefert. (: Schon beim ersten Anschauen durch den Beutel fiel mir auf, dass die Sticker richtig gute Qualität haben, wovon ich dann beim Angrabbeln zu 100% überzeugt wurde. :D

Sie sind sauber geschnitten und super gedruckt. (: Auch ist keine nervige Werbung drauf!
Ich hatte große Angst davor, dass sie nicht richtig kleben würden und sofort wieder abgehen. Wollte sie ja immerhin hinten aufs Auto kleben. :D Aber die kleben echt unglaublich gut! Ein Freund hat sie einem Bekannten gezeigt, der in einer Druckerei arbeitet und dieser meinte, dass "die Sticker echt verdammt gute Qualität haben. Das ist schon echt gutes Papier.". :D




Einfach super! (: Ich würde auf jeden Fall erneut dort bestellen! <3
Wenn ihr Lust habt eure eigenen Sticker zu entwerfen, dann schaut auf Sticker App vorbei!
Dort kann man übrigens auch fertige Designs bestellen. Es gibt so viele Tolle!! *___*

Ein dickes fettes Danke geht auf jeden Fall an das Sticker App Team, dass ich die Sticker einmal ausprobieren durfte! (:


Mein erstes Jahr auf Hogwarts // LARP-Experience #2

Meine Zimmermitbewohnerin Sabrina war es, die uns am nächsten morgen sanft aus dem Schlaf riss.
  In der Nacht war ich ein paar Mal aufgeschreckt und hatte mich dabei wirklich gefragt, wo zur Hölle ich gerade sein mochte. xD Jemand hatte das schmale, aber hohe Fenster geöffnet und eine kühle, frische Briese wehte den Duft von Gras und welkenden Blättern ins Zimmer. Ich hatte mich noch ein wenig mehr in meinen Schlafsack gekuschelt - fror aber nicht.
  Mir die müden, kleinen Augen reibend fragte ich mit belegter Stimme ,,Wie viel Uhr ist es denn?"
"Halb Sieben." Der Drang war da, sich wieder zurück auf die Matratze fallenzulassen und seinen Tod vorzutäuschen. Niemand zwang uns aufzustehen. Niemand wäre böse gewesen, wenn man einfach weitergepennt hätte. Es war Freitagmorgen um halb sieben, und ich flutschte aus meinem Schlafsack, ließ mich die Holztreppe des Hochbettes hinuntergleiten und zog meinen Koffer unter dem Bett hervor.

"Dein Rock ist zu kurz.", hörte ich Jemanden sagen. Ich drehte mich mit der Zahnbürste im Mund halb um und sah die Person im Spiegel an: Juliet. Juliet Irgendwas. Den Nachnamen hatte ich vergessen aber sie konnte in ihrem authentisch hellblauen Kostüm niemand anderes sein, als unsere Austauschschülerin aus Beauxbaton. Sie trug eine hellblonde Perücke, die in zwei langen, gelockten Zöpfen über ihre Brust hing. Zwischendurch blitzte eine rosane und blaue Strähne auf. Ich konnte ein paar Sommersprossen auf ihrem Gesicht erkennen und bemerkte ihre großen, mandelförmigen Augen und die hellen Augenbrauen, die mit ihrer blass rötlichen Färbung irgendwie nicht ganz zur Perücke passten, aber dennoch nicht großartig auffielen. "Oh." Kam es zwischen Borsten und Schaum aus meinem Mund und ich sah unweigerlich an mir herab. Es stimmte: Mein Rock ragte gerade mal bis an die Knie. Juliet spielte an ihren Haarspitzen, "Ich kann dir einen von meinen leihen, wenn du möchtest. Sonst bekommst du Punkte abgezogen." Ohne weiter nachzudenken nickte und bedankte ich mich, so weit das die Zahnbürste in meinem Mund zuließ und spuckte den Restschaum ins Becken.
Nachdem ich mich umgezogen hatte, packte ich meine uralte, schwere Ledertasche mit einem Bleistift, ein paar losen Zetteln, einem alten Notizbuch und einem Radiergummi. Ich hatte mir auch ein kleines Kräuterlexikon bei meiner Freundin geliehen, die ich von nun an nur noch Alison oder Schwesterherz nennen würde.
Ich zog die schwarzen Schuhe an, streifte den Umhang vom Bügel und schlüpfte hinein. Es war Zeit für's Frühstück.
Auf dem Weg nach Unten warf ich einen letzten Blick in einen der Spiegel im Waschraum. Mit meinem weißen Hemd, der gelben Krawatte und dem dazu passenden Umhang, dem hellgrauen Pullunder und dem wuschigen, roten Haar sah ich echt verrückt aus und ich dachte mir nur: Könnten mich so nur meine Eltern sehen. Mein Blick fiel auf das kleine gelbe Namensschild, das wir alle anfangs bekommen hatten und auf dem ein Name stand, den ich erst wenige Male laut ausgesprochen hatte. Ein Name, der nicht mir gehörte. Für die paar Tage, gehört er mir. Für die paar Tage bin ich Claire Brodie. Ich bin Claire Brodie. Dann eilte ich mit wehendem Umhang den anderen hinterher.

Als ich die große Halle betrat, staunte ich nicht schlecht. Ganz Rechts saßen die Slytherins. Dann die Ravenclaws, dann wir und dann die Gryffindors. Unübersehbar: Ein Haufen Menschen in den jeweiligen Hausfarben knubbelte sich an ihrem Tisch und unterhielten sich.
Zu unserer Linken war ein recht großes Frühstücksbuffet hergerichtet worden: Eine Wurstplatte, Käseplatte, Brötchen, verschiedene Brotsorten, Butter und Frischkäse, Marmeladen und Schokoaufstrich, unterschiedlich hohe Dosen mit Müsli und Cornflakes, Milch, Tomaten, Gemüsegurken und Saft. Auf der Kühltheke rechts neben dem Haupteingang stand ein breites Blech mit geschlossenem Deckel. Als ich diesen später anhob stellte ich mit hüpfendem Herzchen fest, dass es dampfendes Rührei war.
  Nachdem so ziemlich jeder an seinem Platz saß und auch der letzte Tisch ordentlich in einer Reihe zum Buffet marschiert und von dort erfolgreich zurückgelehrt war, gesellten sich auch die Hauslehrer zu ihren jeweiligen Schützlingen. Professor O'Neil betrat die Halle und sofort ertönte ein Chor aus Stühlen, die über den Boden kratzten. Als ich den Kopf drehte konnte ich gerade noch sehen, wie sich der Hauslehrer der Slytherins auf seinen Platz setzte, und es ihm auf sein Kopfnicken hin die Schüler gleich taten. Beeindruckt verzog ich den Mund und hob eine Augenbraue. ,,Ja, genau so hab ich auch geguckt.", sagte meine Freundin und biss geräuschvoll ein Stück aus einer zu dick geschnittenen Gurkenscheibe.
  Als wir gerade die letzten Bissen hinunterschlangen und sich die Halle allmählich leerte, traten zwei kleine Gestalten durch die Tür. Erst hatte ich sie nicht wahrgenommen und hörte einem Jungen aus Gryffindor dabei zu, wie er lauthals seinen Sieg über einen Ravenclaw beim Zaubererwettkampf verkündete, aber dann wurde das Getuschel am Hufflepufftisch so lautstark, dass ich wissen wollte wer da gerade angekommen war. ,,Wer ist das?", fragte ich Daisy leise, als sich die beiden mit vollen Tellern ans vordere Ende des Hufflepuff-Tisches setzten und uns keines Blickes würdigten. ,,Roy McClain." Alison spuckte das Wort förmlich auf den Tisch. ,,Das ist Roy McClain."
Ich runzelte die Stirn und beobachtete Roy McClain dabei, wie er sich dümmlich grinsend etwas zwischen den Zähnen herauspulte. Leuchtend oranges Haar, unterm Kinn abgeschnitten, glatt. Spitze Nase, hohe Wangenknochen. Normal gekleidet. Der andere hatte schwarzes, wuscheliges Haar und ein rundes Kinn. Sein Gang war tapsig und er hatte etwas extrem kindliches ansich. Mit ihren Haarfarben erinnerten mich die beiden an Harry und Ron. Alison fügte in weniger gehässigem Tonfall hinzu ,,und das daneben ist Theodor. Aber alle nennen ihn Teddy.".
Später stellte sich heraus, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag. Auch diese beiden waren Mädchen, die männliche Rollen spielten.
  Ich fand heraus, dass Teddy und ich im gleichen Jahr waren, also verfolgte ich ihn unauffällig zum Klassenzimmer, in dem wir Kräuterkunde haben sollten. Inzwischen hatten wir fast 8 Uhr morgens.

Professor Kräuterkunde machte es uns nicht leicht. Mir zumindest nicht. Nervös kritzelte ich so viel ich konnte in mein altes Notizbuch und fragte mich dabei, wie die anderen auf ihre skurrilen und, im Großen und Ganzen wirklich verblüffend scharfsinnigen und logischen Erklärungen kamen, die sie als Antwort auf die Fragen des Professors schussbereit hielten. Da waren Antworten auf Fragen bei, wie ,,Wodurch sehen wir die, für uns Zauberer relevante Pflanzenwelt gefährdet?" oder ,,Wer von Ihnen kann mir sagen, worin sich ... und ... im Detail unterscheiden und wieso Muggel sie ständig verwechseln?". Sofort schnellte die Hand des Gryffindormädchens nach oben, die ihr Haar offen und ziemlich buschig trug. Ich war sogar der festen Überzeugung, dass ich noch nie im Leben so buschiges Haar gesehen hatte. Mit ihrer Art und ihrer spitzen Nase, den runden Bäckchen und dunklen Augenbrauen erinnerte sie mich stark an Jemanden ...
  ,,Hast du am Wackelkraut genascht oder bist du einfach so unausstehlich?" Die Bemerkung peitschte durch den Raum, nachdem gerade Jemand die nächste Frage beantwortet hatte. Alle drehten sich zu dem Jungen (Mädchen! xD) mit grüner Krawatte um, dessen dünnes, schwarzes Haar zu beiden Seiten sein Gesicht umrahmte. Die kürzesten Strähnen waren auf die Länge der Augen geschnitten und gaben der Frisur eine Art ,,John Smith"-Touch.
Sofort wusste ich, wen er damit meinte, denn ich hatte schon minuten vorher aus dem Augenwinkel bemerkt, dass Teddy neben mir nicht stillhalten konnte. Er wippte so stark mit dem Fuß, dass sein gesamter Körper zu vibrieren schien. Nun starrten alle Teddy an, den das jedoch überhaupt nicht zu interessieren schien. Er war gerade damit beschäftigt, eine Karikatur des Professors auf ein Blatt Pergament zu kritzeln. Niemand sagte etwas. Ich sah ihn aus dem Augenwinkel an und klopfte ihm ein Mal mit dem Bleistift auf den Kopf, was Professor Kräuterkunde ein Grinsen abrang, welches er jedoch sogleich wieder durch eine ernste Miene ersetzte, mit der er dann den Slytherin für die Unterbrechung rüffelte und mit dem Unterricht fort fuhr. Derweil war Teddy mit seiner Arbeit fertig und zog ein Gummitier aus seiner Umhangkapuze, die vollgestopft war mit Kinderspielereien, Zettelchen und Süßigkeiten. Immerhin hatte er das Zappeln drangegeben.
  An die bissigen und teils gemeinen Bemerkungen anderer Häuser musste ich mich gewöhnen. Und davon gab es eine ganze Menge... xD
Gleich nach der ersten Unterrichtsstunde begegnete ich einer Gruppe Ravenclaws auf dem Hof und fragte höflich nach der Uhrzeit. Ich wurde von oben bis unten angesehen, bevor sie sich kichernd zusammenrauften und davonstolzierten. Ich blieb verwirrt, allein und vielleicht auch ein wenig gekränkt zurück. Während ich mich beschämt am Kopf kratzte spürte ich, wie mir das Blut ins Gesicht schoss. ,,Es ist nur ein LARP.", sagte ich mir, so leise ich konnte, ,,Es ist nur gespielt. Es ist nur ein LARP." Ich festigte den Griff um meine Schultasche und machte mich auf, die anderen zu suchen.

Es folgten Geschichte der Zauberei, welches sich als nicht so langweilig und ätzend herausstellte, wie es beschrieben worden war, das Mittagessen und schließlich Zauberkunst, mit Professor Bones.
,,Ich weiß, ich weiß. Es ist die letzte Unterrichtsstunde für heute und Sie sind alle müde, haben Hunger und müssen ganz dringend irgendwohin. Aber das ist mir alles vollkommen egal.", Professor Bones legte die Spitze ihres Zauberstabs aus hellem Holz in ihre freihe Hand und spielte damit herum, ,,Heute wird nicht gezaubert, heute lehre ich Sie ein wenig Theorie. Sie werden Ihre Zauberstäbe schwingen, aber ohne zu sprechen. Und Sie werden sprechen ohne zu schwingen. Haben Sie verstanden?" Einstimmiges Nicken, dann blitzte ein kurzes Lächeln auf ihrem Gesicht auf, welches sofort wieder verschwand. ,,Okay, das war gruselig.", sagte ich und beugte mich dabei zu Teddy rüber. Es wunderte mich nicht, dass er mir nicht zuhörte, sondern mit einem Gummitier spielte, das ab und an auf der Tischplatte kleben blieb.
"Jeder sucht sich einen Partner und dann legen wir los." Oh nein... einen Partner suchen. Wen sollte ich mir denn schon aussuchen? Teddy? Wollte denn überhaupt Jemand mit mir zusammenarbeiten?
In dem Moment, in dem ich mich das fragte bemerkte ich, dass ich von einem Mädchen mit langem, hellbraunem Haar angeschaut wurde. Sie trug einen dunkelroten Pullover mit einem gelben Streifen an jedem Ärmelsaum, der sie unverkennbar als Gryffindor identifizierte. Als ich sie ansah breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus und sie winkte mich fast schon überschwänglich zu sich herüber. Ich erinnerte mich an sie. Wie hieß sie noch gleich? Wir waren uns auf dem Hof in der Pause begegnet und sie hatte mir ein Kirschbonbon in Herzform angeboten. Curry? Karin? Wie hieß sie noch?  Auf jeden Fall irgendwas mit Reis... Während ich angestrengt überlegte, stand ich auf und ließ mich neben ihr auf die Holzbank fallen. ,,Hallo! Ich bin Kuri. Von eben." Sie drehte ihren Zauberstab in den Händen, ,,Ich hab dir das Bonbon geschenkt." ,,Ja, ich weiß. Hallo." Sie sah mich weiterhin erwartungsvoll an und ich begriff, dass sie meinen Namen wissen wollte. Beinahe hätte ich mich mit ,,Caddü" vorgestellt, bis mein Blick wieder auf den Zauberstab fiel. ,,Ich bin Claire. Brodie." ,,Hallo Claire Brodie." Sie grinste und sah dann rüber zu Professor Bones, die wieder angefangen hatte zu reden.
  Wir sollten einen Glückszauber aufsagen, der unserem Gegenüber das Gefühl von Zufriedenheit, Heiterkeit und Glücklichsein zu schenken vermochte. Den Spruch habe ich leider schon wieder vergessen, aber die dazugehörige Wellenbewegung beherrsche ich nun wie eine eins. xD War es 'Delectio'? Irgendwie sowas.
  Wie dem auch sei; bei den ersten paar Malen mussten wir beide hinter hervorgehaltener Hand ziemlich blöde lachen. ,,Ich schwinge einen Holzstock und sage komische Dinge.", sagte ich und wurde bei dem Gedanken daran noch roter, als ich es ohnehin schon war. Kuri musste lachen, riss sich dann aber doch zusammen, sagte ein paar Mal den Spruch und machte anschließend die Zauberstabbewegung dazu. Ich tat es ihr gleich, obwohl mein Gesicht brannte wie Feuer. Ich kam mir schon ganz schön dumm vor. Aber es erfrischte sehr, dass es nicht nur mir so ging. :D
  Bones ging auf und ab, die eine Hand spielte immer noch mit der Spitze ihres Zauberstabes und kritisch aber amüsiert beobachtete sie das Geschehen über den Rand ihrer blau verspiegelten Hippibrille, ,,Wie schwer es doch sein kann nur ein einziges Wort richtig auszusprechen, was, meine Damen und Herren?" Und damit hatte sie nicht Unrecht. Wir sagten es 'zu herrisch', 'zu schmusig', 'zu gebieterisch' und 'zu lieblos'.
Ich sehe in Röcken wirklich nicht gerade schlank aus. xD
Foto: Jochen Eyer









  ,,Also dann. Nun bitte ich Sie einzeln nach vorne. Sie fangen an, Miss Stronghold!" Das Herz sank mir in den vorschriftsmäßig gesittet langen Rock. Vortreten?! Mit klopfendem Herzen und schweißnassen Händen wartete ich gespannt jeden ab, der an der Reihe war.
Als Kuri und ich dran waren, gab es kein Zurück mehr. Wir standen auf und ich stellte mich mit dem Rücken zum Fenster in die Mitte des Klassenraumes, in dem es noch immer nach uraltem Holz und Staub roch. Wie bei den andere zuvor hörten die Gespräche auf und es wurde totenstill im Raum. Draußen auf dem Hof hörte man den Kies knirschen und ein Lachen. Ich hob die Hand mit meinem geliehenen, grauen Zauberstab, an dem schon ein paar Fussel klebten, weil der Lack wegen der Wärme in der Innentasche im Umhang wieder klebrig wurde. Dann atmete ich ein, hielt die Luft an, blendete alle Menschen im Raum schlagartig aus und konzentrierte mich nur auf die Wellenbewegung. Meine Ohren wurden heiß, doch ich lies mir nicht anmerken, wie hochgradig bescheuert ich mir gerade vorkam. ,,Ja!", Professor Bones' tiefe Stimme durchschnitt die Stille wie ein Beil einen Maschendrahtzaun und ich zuckte leicht aus meiner Trance zusammen, ,,Ja, genau dieser kleine Schwinger am Ende ist es, worauf es ankommt. Die besondere Portion Glückseligkeit. Der Anfang war dahingerotzt aber das Ende war wie aus dem Lehrbuch! Sie dürfen sich setzen."

Fortsetzung folgt . . .

Mein erstes Jahr auf Hogwarts // LARP-Experience #1

Ich hatte diesen Post versprochen und das werde ich auch halten. (:
Es dreht sich heute Abend alles, aber auch wirklich alles um meine allererste LARP-Erfahrung. Nicht irgendein LARP: Ein Hogwarts LARP.

Eine gute Freundin hatte mir schon öfter vorgeschwärmt, dass ihr erstes Mal 'Hoex LARP' einfach unglaublich toll gewesen war. Sie habe viele liebe neue Menschen kennen gelernt und stünde immernoch mit ihnen in Kontakt. Sie könne es kaum erwarten, erneut ihre Sachen zu packen und sich auf den Weg nach Hogwarts zu machen...
Irgendwann schrieb sie mich auf Facebook an und fragte, ob ich nicht auch mitkommen wolle, es seien ja immerhin noch Plätze frei und da sie, genau wie ich von Pottermore ins Haus Hufflepuff eingeteilt worden war, würde das ja super passen.
  Ich weiß eigentlich gar nicht, wieso ich diesen Test gemacht hatte. Vielleicht war es einfach nur die Neugierde, in welches Haus der Sprechende Hut mich stecken würde; welches dann letztendlich nicht durch ein Stück Leder mit Krempe, sondern durch ein Internetportal entschieden wurde. Hufflepuff. Anfangs war ich überhaupt nicht zufrieden mit dieser Entscheidung. Hufflepuff. "Wer gibt denn schon freiwillig zu ein Hufflepuff zu sein?", hatte ich gefragt und beim Blick auf das gelbschwarze Wappen die Nase gerümpft. "In Hufflepuff sind halt die Netten! Niemand wird ausgegrenzt, alle mögen sich und geben ihr Bestes." Klang eher nach Waldorfschule, als nach einem stolzen Haus.
Ich musste das erst einmal sacken lassen. Eigentlich war Hufflepuff mir zu diesem Zeitpunkt das sympathischste Haus gewesen. Die Gryffindors wirkten ziemlich arrogant, da sie durch die Bücher und Filme eine selbsternannte Hauptrolle einnahmen und sich damit brüsteten, dass nur die Besten und Mutigsten in ihr Haus eingeteilt wurden. Die Slytherins schienen dagegen allen Wert darauf zu legen, möglichst nicht mit Menschen anderer Häuser in Kontakt zu kommen. Arrogant und spitzzüngig. Die Ravenclaws waren mir bis dahin eigentlich ziemlich egal gewesen - wissbegierig und lernbereit stellten sie für mich die Streber von Hogwarts dar. Die, mit denen man eigentlich nichts zu tun hat, außer, man muss und die, die nie zu einer Parrty eingeladen werden weil man fürchtet, dass sie um 8 Uhr ihre Eltern anrufen und vorher die alkoholisierte Bowle ins Klo schütten.
Hufflepuff. Nunja. Es war entschieden - ich fügte mich. Wieso wusste ich auch nicht so genau, jedoch schien mir das Haus den geringsten Ärger zu machen.

Aber wie dem auch sei, meine Reise beginnt mit dem Klick auf den Anmeldebutton und mit der letztendlichen Überweisung des Betrages von 115€ auf das Konto der Orga.

Unnötig nun zu erwähnen und breitzutreten, dass ich ziemlich lange brauchte, um mich auf einen Zustand der Vorfreude einzupendeln. Ich war überfordert. Verwirrt. Lustlos und meine Gedanken schwankten zwischen "Lass dich drauf ein." und "Ich muss eine Ausrede erfinden um nicht hingehen zu müssen." Der Punkt, dass ich das Geld hätte nie wieder gesehen brachte mich unter anderem dazu, irgendwann meinen Schrank nach passenden Klamotten zu durchwühlen und mir ein 13€ Billigset aus China zu bestellen, in dem Umhang, Krawatte und ein Schal enthalten waren.
Und dann war da noch der Charakter, den ich spielen sollte... Seit ich Sims spiele liebe ich es, mir Menschen auszudenken und ganze Biographien dazu. Aber mit und mit wurde mir klar, dass von dieser kindlichen Superfantasie nicht wirklich viel mehr übrig geblieben war.
  Damit nicht jeder dritte als Hermine, Ginny oder Malfoy verkleidet dort aufkreuzte, wurde die Zeit des Spiels auf 1979 festgesetzt. In der Zeit waren Harry Potter's Eltern gerade jung und die Todesser noch nicht ganz so krass vertreten, wie zu Harry's Zeit. Also musste man sich einen ganz neuen Charakter erstellen. Bei dem Gedanken daran mir auszumalen, ich solle in die Rolle eines 13 oder 14 -jährigen Mädchens in den 70er, fast 80er Jahren schlüpfen bereitete mir Unbehagen, was ich aber ersteinmal beiseite fallen ließ. Ein paar Tage rätselte ich herum bis besagte Freundin und ich kurzerhand festlegten, dass ich einfach ihre jüngere Schwester spielen sollte. Sie im 4. Jahr, ich im 3. Ich würde ihren alten Zauberstab bekommen und auch hatte sie mir eine Kette gebastelt, von der sie das Gegenstück um den Hals trug. Claire Brodie war erschaffen. Noch wenige Tage bis zur Abfahrt.

Ich packte einen alten Koffer, den ich irgendwo in den Untiefen unseres Hab und Gutes herausgekramt hatte, erklärte eine alte Ledertasche vom Flohmarkt als meine Schultasche und holte zwei Schlafsäcke aus dem Keller hoch. Ich warf alles in den Koffer, was irgendwie danach aussah, als könnte sich ein 13jähriges Mädchen damit in der Öffentlichkeit blicken lassen und nachdem alles gepackt und fest verschnürt auf meinem Bett lag, packte mich ein Anflug von Nervosität. Anfangs hatte ich es immer geschafft, sie herunterzuspielen. Aber da war sie wieder und äußerte sich in unkontrollierten Fressattacken und ...Aufräumen.
Was, wenn ich nicht genug über die Harry Potter Welt wusste? Was, wenn mir Fragen gestellt würden, auf die ich keine Antwort weiß? Was, wenn ich es nicht schaffte mich in die Rolle hineinzuversetzen, und dauernd blöd zur Seite schauen muss, sobald Jemand einen Holzstock durch die Luft schwingt und so tut, als könne er wirklich zaubern...? Ich war vorher noch nie auf einer LARP Con gewesen... Live Action Role Play. Man spielt den Charakter. Man ist der Charakter. Bis dahin hatte ich mir über Claire Brodie noch keine Gedanken gemacht. Wer war sie? Wo wollte sie mal hin? Machten sich 13jährige Mädchen zu der Zeit überhaupt solche Gedanken?

Am Tag der Abreise wurde ich von Stunde zu Stunde nervöser. Je näher wir dem Ort kamen, desto schmerzhafter verging ich mich an meinen Nagelbetten. Diese unendlich dumme Angewohnheit würde ich so niemals loswerden...
  Um 8 Uhr morgens am Donnerstag, mussten wir den Zug erwischen. Auf nach Brühl, wo wir von Bekannten meiner Freundin abgeholt werden sollten. Von dort aus würde es eine Stunde lang über Autobahnen und Landstraßen gehen, hinein ins grüne Hessen.
  Ich trug meine Haare ordentlich zusammengebunden, einen viel zu großen, grauen, kratzigen Pullover mit Norwegermuster, der mal meinem Vater gehört hatte. Eine Hose mit extremem Schlag hatte ich auch noch gefunden, dazu braune Schnürstiefel von denen nur die schmutzige Spitze unter der Jeans hervorlugte und auf dem Kopf meine grüne Schirmmütze. Ich sah eher aus, wie ein Zeitungsjunge aus den 40er Jahren. Der harte Kunststoffgriff des großen, vollbepackten Koffers drückte mir Blasen in die Handinnenfläche. Ständig musste ich ihn von einer in die andere Hand nehmen, wenn der Schmerz zu schlimm wurde. Die Ledertasche in der anderen Hand, meinen roten Dakine Rucksack auf dem Rücken und zwei störende Tüten, die ein Mal ein Paar Schuhe und mein Kopfkissen beinhalteten und in mein Handgelenk schnitten.
Die Leute sahen uns an, als könnten sie nicht recht glauben, dass wir wirklich vor ihnen stünden. Wir wurden jedoch zum Glück in Frieden gelassen. Um diese Uhrzeit mitten in der Woche, hatte wohl Niemand die Zeit und die Lust sich über zwei Mädchen mit viel Gepäck und grellen Schals lustig zu machen.

Nachdem man uns in Brühl aufgesammelt und wir den Kram ins Auto verfrachtet hatten, bei dem sich der immer bewährte Tetris-Witz geradezu anbot, setzten wir unsere Reise fort. "Mit einem fliegenden Auto wären wir schneller.", wurde gewitzelt. Das ließ meinen Magen jedoch einen erneuten Hüpfer machen und schon prasselten all die Zweifel, Fragen und Ängste wieder auf mich nieder, wie ein Regen aus kleinen Steinen, die einen nur auf den Kopf treffen.
  Schließlich bogen wir in eine Einfahrt ein, die zu einem Innenhof führte, der wie ein kleiner Parkplatz mit bedacht aneinandergereihten Autos zugeparkt worden war. Durch die kahlen Baumwipfel konnte man die Spitze eines großen Hauses erkennen. Mini-Schloss. Mir fiel auf, wie warm es war.
Während wir das Gepäck ausluden und sich um mich herum ein paar Menschen jubelnd und lachend umarmten, wurde mir schlecht. Ich kannte hier Niemanden, außer meiner Freundin. Ich tue mich sehr schwer damit, neue Leute kennenzulernen.
  Mit einem Lächeln, statt einem überschwänglichen HALLO!, begrüßte ich die Menschen, die schwer atmend den kleinen Grashügel zurück zum Hof hinaufgestapft kamen und mir einen flüchtigen Blick zuwarfen. Ich erkannte einige blaue Pullover unter den Jacken. Ein Slytherin-Schal schlängelte sich um den Hals eines Mädchens mit langem, weißblonden Haar. Sie lächelte mir zu und eilte dann einem Jungen zur Hilfe, der mit den großen Koffern nicht durch das verwitterte Holztor im mannshohen Zaun passte. Das Schloss, die Burg - was immer es auch war - ragte vor uns in den strahlend blauen Himmel. Seine terrakottafarbene Fassade passte sich angenehm in die grünbraune Umgebung ein. Die Fenster waren klein und dunkel, weiß umrahmt und in sauberem Abstand zueinander angebracht. Zu meiner Linken erstreckte sich ein Weg bis hinter das Gebäude, wo man ein kleines Stück Rasen erkennen konnte, umzäunt von hohen, hellen Bäumen. Zu meiner Rechten lag ein weiteres, weniger stattliches Gebäude, doch nicht minder alt. In weiß gestrichen passte es sehr gut ins Gesamtbild. Man hörte nicht viel: In der Ferne konnte man das Rauschen eines Flusses erahnen, was ich zunächst mit Autobahnlärm verwechselt hatte. Nein, es war vollkommen idyllisch und ruhig. Menschen lachten. Ein Grüppchen, welches ich als Gryffindors identifizierte stapfte kichernd und knirschend über den Kies im Hof zwischen den Gebäuden zu einer der Holzbänke und ließ die Rucksäcke fallen. Eine von ihnen hatte leuchtend magentafarbenes Haar, welches sich jedoch als Perücke herausstellte. Kurz geschnitten und um die Ohren herum sprangen die großen Locken wie Sprungfedern, als sie sich setzte.
  Ich dachte eigentlich an nichts. Gespannt saugte mein Kopf alles auf, was passierte.
  Zusammen liefen wir hin zum weißen Gebäude, eine Treppe hoch, dann noch eine, bis wir zu einer hell gestrichenen Tür gelangten, an der ein großes, gelbschwarzes Banner baumelte. Ein H war darauf zu lesen. "Hier sind unsere Schlafräume und auch der Gemeinschaftsraum und so. Ein Passwort müssen wir uns noch ausdenken." Ich lächelte und trat hinter meiner Freundin und deren Bekannten in einen Flur, der von links von einem großen Fenster beleuchtet wurde. Da man auf die gegenüberliegende Wand starrte, musste man sich nach rechts drehen, wo sich gerade aus der Waschraum befand. Dann wieder nach Links in einen weiteren Flur, der bestückt war mit vielen Türen. Im Vorbeigehen erhaschte ich einen Blick in den ersten Raum auf der linken Seite, in dem ein Mädchen mit gefärbtem, rosa Haar gerade einen Koffer aufs Bett hiefte. Sie bemerkte mich nicht und machte sich daran, ihren Umhang auf einen Bügel aufzuziehen.
  Nachdem die 6 Betten verteilt worden waren und ich glücklich darüber war oben schlafen zu dürfen, verteilten wir unsere Klamotten auf die beiden schmalen Schränke. Während ich damit beschäftigt war meinen Schlafsack auszurollen, packte eines der Mädchen klimpernd viele kleine und große Fläschchen aus. Längliche Gläser mit Korken, in denen sich Wurzeln und getrocknete Pflanzen befanden. Kleine runde Gläschen, ebenfalls mit Korkenverschluss, die mit verschiedenen Pulvern und getrockneten Blüten gefüllt waren. Hinzu kamen noch zwei Holzständer, auf denen sie jeweils ein perfekt rundes Glas mit langem Hals abstellte, ein kleiner Mörser und ein Schneidebrett, ein Foto im glänzenden Rahmen, einige Bücher und Säckchen aus Leder, eine Messingwaage, etliche Steine in schönen Farben, ein Tintenfass, eine große Knolle Ingwer und eine weiße Plüscheule. Ich hatte meine Arbeit ganz vergessen und bewunderte das Sammelsorium auf der breiten Steinfensterbank. Das war einer dieser Momente in denen ich mir wünschte, ich hätte mich ein bisschen besser vorbereitet, statt Angst vor diesem Wochenende zu haben. Ich war einfach zu nervös gewesen um mich wirklich drauf einlassen zu können.
  Nachdem wir alles ausgepackt und die Taschen in den Ecke verstaut hatten - ich schob meinen Koffer einfach unter's Bett - , schaltete ich mein Handy ab und verstaute es unter meinem Kopfkissen. Meine Freundin legte fluchend einen Film in ihre Kamera ein und nachdem ich ein paar weitere Hufflepuffs lächelnd und schüchtern begrüßt hatte, machten wir uns auf für eine kleine Führung.
  Wie sich herausstellte, hatten die Hufflepuffs ihre Schlafräume direkt neben der großen Halle. Entweder man ging die Treppe runter und direkt nach rechts durch eine schwere Türe, die wir dann auch meistens benutzten, oder man ging geradeaus weiter nach draußen, drehte sich dann nach Rechts und betrat die Halle durch die große Flügeltüre, die eigentlich ständig offen stand.
Gegenüber unseres Gebäudes hatten die anderen drei Häuser ihre Schlaf- und Gemeinschaftsräume.
Eine breite Treppe aus dunklem Holz führte zu den verschiedenen Stockwerken, in denen auch einige Klassenzimmer lagen, wie ich später erfuhr.
  Der erste Tag war für mich ... der blanke Horror. :D Das klingt jetzt echt gemein und negativ, aber ich war komplett überfordert (habe ich das schon einmal erwähnt?) und wusste nicht, was ich tun, wie ich mich verhalten oder was ich sagen sollte. Und am nächsten Tag sollte ich dann auch noch meine ersten paar Unterrichtsstunden haben - mit anderen Drittklässlern. Ohne meine Freundin.
Mir war ganz mulmig und jedes Mal, wenn ich daran dachte, zog sich mir der Magen zusammen.
  Ich weiß nicht mehr genau, ob es erst Nachmittag oder schon Abend war, als wir uns alle in der großen Halle versammeln und der Orga und den Lehrern bei ihrer Vorstellung zuhören sollten.
Die große Halle war ... groß. Vier lange Tische durchschnitten den Raum, der in dunkelblau und bronze geschmückt war. Auf einer Glasvitrine fiel mir ein stattlicher goldener Pokal auf, auf dem das Ravenclaw Wappen angebracht worden war. "Ravenclaw hat letztes Jahr den Hauspokal gewonnen.", sagte Jemand nachdem er mein fragendes Gesicht bemerkt hatte. Ein Mädchen bäugte sich zu uns rüber: "Eigentlich hätte Hufflepuff den Pokal holen sollen. Wir hätten ihn fast gehabt, wenn Roy McClain Professor McGonagall nicht gefragt hätte, was sie unter ihrem Schottenrock trägt." Meine Augen weiteten sich unwillkürlich bei dem Gedanken daran und bei "Roy McClain" verdrehten einige Hufflepuffs kaum übersehbar die Augen.
  Nachdem sich alle Häuser an ihre Tische begeben hatten und die Vorstellungs- und Erklärrunde der Orga überstanden war, stellten sich endlich die Lehrer vor: Professor McGonagall in einem spitzen, dunklen Hut, an dessen Seite eine Feder steckte, einem dunkelgrünen, schweren Kleid mit langen Ärmeln und zu einem Zopf gebundenen schwarzen Haar, die Brille mit dem Zeigefinger zurück auf die Nase schiebend, machte einen freundlichen Eindruck. Der Lehrer für Kräuterkunde, den wir von da an nur noch hinter seinem Rücken "Professor Kräuterkunde" nannten, weil sich niemand seinen Namen merken konnte, trug sein dunkelblondes Haar ebenfalls als Zopf. Auch er war in grün gekleidet; ein Hemd mit kleinen schwarzen Knöpfen eilig in die schwarze Jeans gestopft und schwere Lederstiefel. Die volle Aufmerksamkeit zog jedoch die ärmellose, zerfetzte Jeansjacke aufsich, die übersäht war mit Metal- und Rockbandaufnähern. Gleich daneben stand ein kugelrunder Mann mit einem freundlichen Gesicht, welches selbst dann noch strahlte, wenn er anteilnahmslos durch die Gegend starrte. Rote Bäckchen und ein spitzer Hut trugen nicht gerade dazu bei, dass man von diesem Mann irgendeine Boshaftigkeit erwarten könnte. Er stellte sich breit grinsend als Wahrsagelehrer vor. Professor O'Fortunaelly. Gleich danach trat der Hauslehrer von Slytherin vor: Eine mittelgroße Gestalt mit glattem, blondem Haar, welches gerade bis unters Kinn abgeschnitten worden war und sich somit perfekt an das, bis obenhin zugeknöpfte weiße Hemd anfügte. Die Knöpfchen des ärmellosen Sakkos spannten etwas über dem Bauch, was diese Person jedoch nicht störte eine schwarze, hautenge Lederhose zu präsentieren, die zu den spitzen, schwarzen Lederschuhen passte. Eine kleine Goldkette, die wohl zu einer Taschenuhr gehörte, lugte aus der fast unsichtbaren Tasche im Sakko. Ich erfuhr später, dass es sich dabei um eine Frau handelte, die jedoch einen männlichen Charakter spielte. Professor O'Neil. (Etwas unscheinbar war unser Hauslehrer, Professor Nebelwald, der von einem Bein aufs andere wippte und sich mehrmals die feine, goldene Brille richtete. Dieser sollte aber erst am nächsten Morgen auf der Bildfläche erscheinen.)
Und dann war da noch Professor Bones. Eine große Frau mit langem, naturblondem Haar die mit ihrem spitzen, blauen Hut, der kreisrunden und strahlend blau verspiegelten Hippiebrille, dem schweren hellen Mantel, der nur mit vier goldenen Knöpfen über ihrer Brust verschlossen und unten offen war und der Flicken-Schlaghose in verschiedenen Blautönen unübersehbar die Hauslehrerin von Ravenclaw darstellte. Ich erkannte ein Feuermahl auf einer ihrer Gesichtshälften und auch das Auge war an der Stelle milchig weiß. Erst hatte ich mich unglaublich erschrocken und wollte es so gut es ging vermeiden dorthin zu starren, bis ich feststellte, dass es sich dabei einfach um eine Kontaktlinse und gutes Makeup handelte! XD *räusper*
  Mit einer tiefen, rauchigen Stimme, die mehr Autorität und "Seid ihr nicht artig versohle ich euch den Arsch!" nicht hätte ausstrahlen können, endete dann auch schon das kleine Stelldichein mit einem großen, breiten Mann mit hellen, wilden Locken, die dank dem dichten Bart einmal rundherum um seinen Kopf zu wuchern schienen. Schüchtern lächelnd und ein wenig rosiger im Gesicht als vorher, gliederte sich unser Wildhüter Hagrid wieder zurück in die Reihe ein.

Am ersten Abend schlief ich gut. Ich hatte mich in meinen Schlafsack eingekuschelt, hatte das Handy kurz eingeschaltet, um ein Foto bei Instagram hochzuladen und war dann auch erschöpft eingeschlafen.



Fortsetzung folgt ...
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